Lebensabschnittsbuch

Vom Schnee durchlöchert!

Liebes Lebensabschnittsbuch,

gestern waren Ole, Björgen und ich an unserem Lieblingsversammlungsort, dem Parkplatz des Supermarktes. Warum gerade dieser Platz für unsere Treffen auserkoren wurde? Hier ist immer was los und mit Sicherheit erfasst das eifrige Auge des Beobachters etwas interessantes, lustiges oder skuriles.

Während wir also da standen und uns über Politik und Wirtschaft unterhielten, wurde Björgen auf einen roten Kleinwagen aufmerksam. Plötzlich zuckte er zusammen, rannte wie von der Tarantel gestochen hinter einen Van und blieb dort erstarrt liegen. Als wir ihn fragten was das soll flüsterte er nur leise: „Über Weiber und Titten können wir uns später unterhalten. Jetzt zählt nur überleben“.
Im gleichen Moment kam ein rießiger, glatzköpfiger Kerl aus dem Lebensmitteladen. Bis dahin wusste ich garnicht, dass Bomberjacken auch in solch brutalen Übergrößen hergestellt werden. Er bewies mir das Gegenteil. In seinen rießigen Pranken trug er 4 oder 5 Stangen Zigaretten. Gerade so passte er in seinen kleinen, roten Wagen und fuhr mit durchgerostetem Auspuff tösend davon.
Erst Minuten später verließ Björgen wieder sein Versteck. „Ein alter Bekannter“, stammelte mein bärtiger Freund. „Aus irgend einem Grund will er mir an die Wäsche. Kann mich aber nicht mehr erinnern warum.“. Dann fixierte er einen Schneehaufen der direkt neben ihm lag, fragte Ole „Wie macht Schnee während des Aufpralls?“, griff hinein und zündete einen Schneeball aus 50 Zentimetern direkt in Oles Gesicht. „BAAMMM“ rief er dem durch die Wucht des Balls zurückgeworfenen Jungen zu.
Was dann passierte kann ich mir nicht so richtig erklären. Ole lässt sich nie zu etwas hinreißen. Besonders wenn es böse Konsequenzen haben könnte. Aber womöglich aufgrund des Schocks hatte er all seine Prinzipien vergessen. Nachdem er wieder auf den Beinen stand und sich den Schnee aus dem Gesicht gerieben hatte, nahm er selbst einen Brocken aus dem Haufen und warf ihn in Richtung von Björgen.
Hier muss erwähnt werden, dass sich durch Oles Leben eine chronische Sechs in Sport zieht. Nur durch Mitleid der Lehrer die ihn am Ende des Schuljahrs ein Referat über die „Form eines Balls“ hielten ließen, könnte er stehts mit einer 4 rechnen.
Somit ist auch klar, dass der Schneeball das anvisierte Ziel weit verfehlt hat. Dennoch traf er etwas. Er schlug genau in einen Kleinbus ein, aus dem auf einmal 4 Typen ausstiegen.
Ich hielt sofort Blickkontakt mit meinen zwei Freunden und sofort wussten wir was zu tun war. Wir nahmen also unsere Beine in die Hand und liefen so schnell wie möglch davon. „Wir“ bedeutet in diesem Fall ich und Björgen. Ole blieb wie angewurzelt stehen und wurde ohne Gegenwehr aufgegriffen. Er war wohl von sich selbst überrascht und konnte sein Verhalten nicht verarbeiten.
Ich weis nicht wie viele Schneebälle er abgekriegt hat. Ich weis allerdings, dass der Arzt in Krankenhaus meinte für den Bauchdeckenriss seien diese nicht veranwortlich.
Meiner Meinung nach hat es Ole Björgen zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist. Dieser gab meinem besten Freund während seiner Abreibung aus sicherer Entfernung den Rat, seinen Körper zu verlassen. Wer weis was hätte noch passieren können.

Muss jetzt wieder ins Krankenhaus. Ole ist sicher schon von seiner OP aufgewacht und ich möchte als Erster die Narbe sehen.

Dann bis zum nächsten Mal mein Büchlein…

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